Ein kleiner Wellenstreckenflug PDF Drucken E-Mail
Benutzerbewertung: / 2
SchwachPerfekt 
Donnerstag, den 08. Januar 2009 um 18:10 Uhr

Ein kleiner Wellenstreckenflug

 

Beim Dreikönigsfliegen am 06. Januar hatte es sich schon angekündigt, die nächsten Tage bekommen wir ein Hoch mit mittelstarken Wind aus Ost. Und als sich die Prognose am nächsten Tag bestätigte war klar, das am 08. Januar im Schwarzwald wieder Wellenarlarm herrschen wird. Nachdem man die letzte überaus hervorragende Wellenwetterlage am zweiten Weihnachtsfeiertag mit Wind von bis zu 100km/h, spitzen Steigwerten und Höhenfreigaben bis 5000m schon nicht nutzen konnte, hieß es jetzt zuschlagen.

So traf man sich zusammen mit den freundlichen Piloten der LSG Breisgau am 08. Januar um 09:00 Uhr in Freiburg um gemeinsam die Flieger auf zu bauen. Das Bestreben war möglichst früh zu starten, da der Wind gegen Nachmittag schnell schwächer werden sollte:

 

 

Mit dem ersten Schlepp geht es zusammen mit Jörg in der ASK 21 auf 1800m zum Kandel. Kaum angekommen,   werden wir auch schon freudig mit einem konstanten Steigen von einem Meter von der Kandelwelle überm Glottertal begrüßt. Zusammen mit Wurthi in seiner DG 800 können wir so zügig auf 2600m steigen, während die restlichen 5 Piloten erst nach und nach von der CC aus Freiburg raus geschleppt werden. Nachdem das Steigen aber am Kandel bei 2600m deutlich abnimmt fliegt Wurthi weiter Richtung Simonswäldertal. Als wir mit der ASK-21 ihm ein wenig später nach fliegen wollen, meldete er jedoch einen sehr großen Höhenverlust bis zum Simonswäldertal, und dort auch noch kaum Steigen, also beschließen wir noch ein wenig am Kandel zu bleiben. Inzwischen sind auch die anderen Flieger in der Kandelwelle angekommen, doch plötzlich will die Welle am Kandel nicht mehr so recht, als ob ihr die ganzen Flieger auf einmal zu viel werden. Etwas Frust macht sich breit, die frisch geschleppten Flieger kommen nicht so recht hoch, und wir sinken wieder auf 2100m ab. Scheint der Wind doch viel früher abzuschwächen?  Wurthi aber meldet plötzlich sehr gute Steigwerte oberhalb des Simonwäldertals, nur der Kandel will nicht so recht. Dennoch nutzt man die Gelegenheit für ein Fotoshooting in der Formation und gibt sich mit dem bisherigen Flug zufrieden. Doch kaum hat man die Digicam weg gepackt steigts wieder am Kandel! Der Janus CT mit Floh und Burkhard fliegt als erstes Richtung Simonswald ab, wir tanken noch ein wenig Höhe und fliegen dann mit 2470m ab, auch der Rest folgt. Oberhalb des Simonwäldertals in 1800m angekommen finden wir die Welle dank der Beschreibung von Wurthi und Floh auf Anhieb und steigen wieder mit sehr konstanten 1m.

Während Floh mit Burkhard  und Wurthi Richtung Brandenkopf und weiter zur Hornisgrinde fliegen, steigen die restlichen Flieger sehr entspannt in der Simonswäldertalwelle bis 3048m. Gezwungen durch die Luftraumstruktur, müssen wir nun leider die immer noch gut steigende Welle verlassen und fliegen zusammen mit den anderen auch Richtung Brandekopf, wobei uns hier wegen den besseren Polaren nun auch Dirk in der  LS4, und der Ede in der ASW 24 davon gleiten. Nach einem 20 minütigen und 28km weiten Geradeausflug erreichen wir in 2570m den Brandenkopf im Kinzigtal und können auch hier die Welle auffinden. Allerdings schaffen wir es hier nur relativ mühsam 350m gut zu machen, während Dirk von 2m Steigen am Schliffkopf begeistert in den Funk jodelt. In der Zwischenzeit sind Floh und Wurthi bis ins Murgtal vorgedrungen, wo es heute eine Höhenfreigabe bis 4000m gibt. Auch Dirk folgt ihnen später und fliegt in den Wellenflugsektor ein. Wir hingegen beschließen aufgrund der langen Gleitsrecke bis zum Schliffkopf mit der ASK-21 nicht weiter zu fliegen um so das Außenlanderisiko zu senken, denn bei so langen Gleitstrecken und teilweise starken Gegenwind macht sich die Gleitzahl doch sehr bemerkbar. Michel im Astir CS beschließt nachdem er am Brandenkopf nicht so recht gestiegen ist auch für die Heimkehr. Jörg und ich fliegen in 2500m ab in Richtung der Simonwäldertalwelle. Doch auf dem Rückweg macht sich der Wind nun bemerkbar und wir kommen in 1500m im Elztal an. Und mitten im Elztal geht es dann auch noch auf dem letzten Stück zur Simonswäldertalwelle richtig das Loch runter. Mit dem einem Auge auf das in den Boden zeigenden Vario, und mit dem anderen auf das gute Stück Acker unter uns schauend, weiß man im Kopf ganz genau: man hat die Welle gefunden, wo es runter geht, geht es auch wieder hoch. Nur irgendwie scheint das saufen nicht aufzuhören, ob es wohl an den 60km/h Gegenwind liegt? Aber plötzlich wird es Spannend! Das ganze Flugzeug fängt an stark zu vibrieren und das Vario verabschiedet sich ganz in den Keller, begleitet mit einem tiefen Bass der aus dem Evario kommen zu scheint. Doch in dem Moment, in dem man nach dem Blick auf das Vario aus dem Flugzeug schaut, drückt es einen plötzlich nur noch in den Sitz und schießt nach oben, wenige Sekunden später quittieren das einem auch die trägen Varios mit einem gewaltigen Ausschlag nach oben und einem lauten schrillen. Wenige Sekunden später ist das Vibrieren weg und wir fliegen in sehr ruhigen und konstanten 2,1m Steigen in der Welle! Nach einem so extrem ruhigen Einstieg in die anderen Wellen mussten sich wohl auch mal ein Rotor melden...

Beim klettern auf 2600m mit einer Flugzeit von 4:30h meldete sich dann leider noch etwas, und das war die Blase, die uns dann leider zwingte die Simonswäldertalwelle frühzeitig zu verlassen und direkt nach Freiburg zu fliegen. Ansonsten wäre wohl noch ein Abstecher zu Feldbergwelle möglich gewesen. Dennoch war der Flug mit einer Flugzeit von knapp 5 Stunden und 113 OLC Km ein voller Erfolg und ein super Beginn der Streckenflugsaisson 2009! Der Wind schwächte übrigens entgegen der Prognose erst einiges später ab, der Janus CT kam erst kurz vor Sunset zur Landung.

 

Info: Wellen bilden sich hier im Schwarzwald bei einem Ostwind ab ca. 50Km/h bei Inversionswetterlagen. Je schneller der Wind und je stabiler die Inversion desto besser natürlich das Steigen. Im Vergleich zu Wellenwetter in den Vogesen haben wir hier meist trockene Ostluft und Schönwetter. Für den Einstieg im Kandel ist meist ein Schlepp auf 1500-1800m nötig, je höher der Schlepp, desto mehr Zeit hat man zum suchen wenn man sie nicht gleich findet.