Leewellen Fliegen im Schwarzwald PDF Drucken E-Mail
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Samstag, den 22. Januar 2011 um 17:47 Uhr

Leewellen Fliegen im Schwarzwald

 

 

Bei Ostwind bilden sich im Schwarzwald ab ca. 30km/h Ostwind Leewellen. Wenn der Wind in der Höhe zunimmt, und die Richtung sich nicht zu sehr ändert, sind die Wellen gut ausgeprägt und man kann weit über 3000m steigen.  Am 22. Januar 2011 hatten wir Wind aus Nordost mit ca. 25 kt (46 km/h) auf Hänghöhe. So beschließten Kai und ich die Wetterlage zu nutzen und bauten noch am Abend davor die Flieger in Freiburg in der Halle auf, um morgens um halb acht früh starten zu können. Von unserer Aktion angeregt,  kamen zwei unserer Fliegerfreunde vom Hotzenwald mit einem Duo Discus zu besuch, und wir standen mit drei Fliegern am Start. Leider war es morgens noch stark bewölkt, und am Kandel, der normalerweise der Einstieg in die Welle ist, schneite es sogar.

So war bis halb elf erst einmal warten angesagt, und andere Fliegerkameraden schmunzelten uns schon zu, und waren froh nicht aufgebaut zu haben, denn der Wind sollte gegen Mittag auch noch abnehmen. Um halb elf waren schließlich blaue Löcher erkennbar und wir starteten.
Der leichte Einsitzer, Jochens Schleppkünste, und die kalte Luft sorgten dafür, das sich wärend dem Schlepp die Variometernadel nicht unter 5m/s bewegte und kurz hinter dem Roßkopf schon eine Schlepphöhe von über 1800m erreicht war. Zu allem Glück behauptete sich das blaue Loch hinter dem Roßkopf auch gleich als Welle, und ich konnte weiter bis auf 2300m steigen ehe ich weiter Richtung Hinterwaldkopf geflogen bin. Die Aussicht war jetzt schon fantastisch, die Wolken waren ca. 400m unter mir. Im Zastlertal stieg es dann wieder laminar, und ich konnte die auf dem Weg verlorene Höhe wieder gut machen, mehr aber auch nicht. Also ging es dann gleich weiter Richtung Feldberg, und hier wurde man reichlich belohnt. Zwar herschte auf Hanghöhe nur noch ein Wind von 25 km/h und das Steigen betrug unter einem Meter, aber dadurch,  das der Wind mit der Höhe gleichmäßig zunam, ließ das Steigen nicht nach. So ging es langsam aber sicher in die Höhe.

Als es auf die 2800m zuging, rastete ich mal vorsichtig die Frequenz von Zürich Information, jedoch mit der Gewissheit, das eine Freigabe über 3000m ohne Transponder, und außerhalb der Wellenflugsektoren vom Nordschwarzwald nicht machbar war. Bei 2900m angekommen funkte ich dann trotzdem mal vorsichtig auf  der  totenstille herrschenden Frequenz mein Sprüchlein.
Es vergingen einige Sekunden ohne Antwort, und ich wollte  gerade schon die Frequenz überprüfen, da ertönte eine freundliche und klar verständliche Frauenstimme. Ich nannte meine Position und Höhe, formulierte ihr mein Anliegen, und wies ausdrücklich auf das Fehlen eines Transponders hin.
Ich bekam daraufhin die Aufforderung nicht über  FL95 zu steigen und auf der Frequenz zu bleiben, sie werde mich zurückrufen. ..
Es herrschte nun einige Zeit eisige Ruhe und ich schaute mich um. Die Sicht aus der DG 300 war dort oben bei -17° C einfach unglaublich, das gesamte Dreiländereck befand sich unter einer geschlossenen  Wolkendecke, ausgenommen vom Südschwarzwald, hier waren die für meinen späteren Abstieg notwendigen Wolkenlöcher großflächig  vorhanden. Die Alpen waren bei der klaren eiskalten Luft zum greifen nah, und schimmerten von der Sonne angestrahlt am Horizont gigantisch ins Cockpit hinein. Riskiert man einen Blick nach unten, erkennt man die traumhafte Winterlandschaft des Schwarzwaldes, von dem alltäglichen Stress des Menschen ist hier absolut nichts zu sehen.  -  Und wieder einmal begreift man die unglaubliche Schönheit die einem der Segelflug zu bieten hat.

Sogar der Mond scheint mit mir zu reden… ups, ne… es ist Zürich Information und meldet sich zurück: „D-6165, sie haben von Zürich Radar Einfluggenehmigung  für Luftraum Charlie und Freigabe bis FL110 (3350m), melden sie erreichen von FL110“ Durch meinen Freudensprung stieg das Flugzeug sicherlich 5m in einem Satz, die restlichen Höhenmeter ging es dann mit 0,1 bis 0,2m/s langsam aber sicher auf die nun erlaubten 3350m zu. Ich nutze die Zeit mit meiner Videokamera beeindruckende Aufnahmen zu machen.  Brav meldete ich das Erreichen von Flügfläche 110 und bekam zurück, das FL110 das Maximum sei, aber dafür dürfe ich in dieser Höhe bis zur Kontrollzone Zürich im Süden fliegen. Gesagt, getan. Unten am Hotzenwald stand die nächste größere Welle, da ich aber noch 3000m hoch war, lohnte sich ein Steigen nicht und ich flog Richtung Norden zurück.
In fast jedem Lee war eine Welle zu finden, allerdings kam ich dann wegen dem abnehmenden Wind später nicht mehr höher als 2500m. Gegen Nachmittag setzte sich dann am Kandel ein interessanter Mix zwischen Thermik und Rotoren durch. Richtung Bremgarten tat sich sogar eine Wolkenstraße auf.

Das war eindeutig einer meiner  beeindrückensten Flüge, und hoffe den ein oder anderen zum Welle  fliegen motiviert zu haben.

 

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